Viele DAX-Topmanager verdienen auch in Krise gut
Essen/Düsseldorf, 12.03.2010
Die meisten Spitzenmanager deutscher DAX-Unternehmen haben auch in der Krise gut verdient. Topverdiener unter den 18-DAX-Unternehmen, die bisher ihre Bilanz veröffentlicht haben, ist nach einer Übersicht des "Handelsblatt" RWE-Chef Jürgen Großmann mit 7,16 Mio. Euro. Eingerechnet der Pensionsgelder für 2009 sind es sogar noch zwei Mio. Euro mehr. Großmann lässt sie sich sofort auszahlen.
Siemens-Lenker Peter Löscher auf Rang zwei hat mit 7,12 Mio. Euro kaum weniger eingenommen. Platz drei kommt VW-Chef Martin Winterkorn mit 6,6 Mio. Euro zu. Schlusslicht mit 810.000 Euro ist MAN-Mann Georg Pachta-Reyhofen. Nach Einschätzung des Vergütungsberater Heinz Evers sind die Verdienste der Topmanager kaum gesunken. Ein Jahr zuvor seien die Einkünfte noch durchschnittlich um eine Million Euro gesunken, sagte Evers dem "Handelsblatt".
Großmann hat sogar im Vergleich zum deutlich größeren E.ON-Konzern die Nase vor. Dessen scheidender Führungsmann Wulf Bernotat kommt auf 4,47 Mio. Euro und nur 570.000 Euro Pension für 2009. Damit bleibt er aber noch vor Daimler-Chef Dieter Zetsche, der 4,34 Mio. Euro bekam. Während Großman 80.000 Euro mehr verdiente als 2008, hat es ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz erwischt. Seine Bezüge sanken von 3,64 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2007/2008 (30.9.) auf 1,29 Mio. Euro (2008/2009). Der Stahlriese hatte Milliardenverluste in der Krise erlitten.
Vergütungssysteme werden überarbeitet
Nach Angaben des "Handelsblatt" überarbeiten derzeit viele Konzerne ihre Vergütungssysteme. Das noch von der alten Berliner Regierung verabschiedete Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung zwinge zur nachhaltigen Unternehmensführung. Managergehälter sollen sich an langfristigen Erfolgen orientieren. Das sei bisher kaum der Fall. Inzwischen haben sich aber die ersten Konzerne bereiterklärt, zum Vergütungsbericht, in dem Höhe und Zusammensetzung der Managergehälter erläutert werden, dem Votum der Aktionäre auszusetzen. Siemens und nach Angaben von Aktionsschützern auch ThyssenKrupp wollen das machen. VW-Vorstände sollen sich dagegen an einem Kundenzufriedenheitsindex messen lassen, so das "Handelsblatt".
Nach Angaben der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bestehen die Bezüge in der Regel zu einem Drittel aus einem Festgehalt. Ein Drittel sei variabel und ein weiteres Drittel seien Aktienoptionen. Da künftig der Fokus auf größerer Nachhaltigkeit in den Konzernen liege, geht die Schutzvereinigung davon aus, dass Festgehältern eine größere Bedeutung zukommt.
Quelle: APA,dpa
