EVN nach drei Quartalen unter Erwartungen
Wien, 26.08.2010
Der niederösterreichische Energieversorger EVN erzielte in den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahrs 2009/10 beim Nettogewinn ein Sprung nach oben um ein Sechstel, Analysten hatten aber ein noch stärkeres Plus erwartet. Der Anstieg beim operativen Ergebnis lag mit gut 8 Prozent aber im Prognose-Rahmen.
Für das Gesamtjahr 2009/10 bestätigte das börsenotierte Unternehmen am 26. August den Ausblick: Man erwarte trotz des unsicheren wirtschaftlichen Rahmens und der hohen Energiepreis-Schwankungen weiterhin "ein Konzernergebnis über dem Vorjahresniveau".
Unter dem Strich verdiente EVN von Oktober bis Juni 204,9 Mio. Euro, ein Zuwachs von 16,7 Prozent - je Aktie entspricht dies 1,25 (1,07) Euro. Die RCB hatte mit einem Anstieg von über 21 Prozent gerechnet. Das operative Ergebnis (EBIT) legte um 8,3 Prozent auf 194,1 Mio. Euro zu, erwartet wurden +7,7 Prozent. Das EBITDA erhöhte sich prognosekonform um 12,6 Prozent auf 365,7 Mio. Euro. Das Finanzergebnis verbesserte sich um 59,8 Prozent auf 72,0 Mio. Euro.
Energiewirtschaftlich war der Berichtszeitraum von einer kalten Witterung in Österreich und Mazedonien sowie höheren Temperaturen in Bulgarien geprägt. Die Primärenergie- und Strompreise auf dem Großhandelsmarkt lagen unter den Vorjahreswerten. Trotz höherer Absatzmengen konnte deshalb ein Rückgang der Aufwandsposition Fremdstrombezug und Energieträger erreicht werden, heißt es im Neunmonatsbericht. Das EBIT-Plus sei trotz leichten Anstiegs des Personalaufwands, höheren Abschreibungen und leicht höheren sonstigen betrieblichen Aufwendungen erreicht worden.
Stromproduktion stieg
Erzeugt hat die EVN in den ersten neun Monaten 2009/10 (per 30.6.) im Strombereich mit 3.001 GWh um 8,0 Prozent mehr. Dabei legte die Produktion in Wärmekraftwerken um 14,9 Prozent auf 2.098 GWh zu und sank im Sektor erneuerbare Energie um 5,1 Prozent auf 903 GWh, teilte die EVN weiter mit. Den Strom-Netzabsatz konnte die EVN in den neun Monaten um 0,9 Prozent auf 15.954 GWh ausweiten. Das stärkste Plus wurde dabei mit 3,0 Prozent auf 5.773 GWh in Österreich erzielt. In Bulgarien erhöhte sich die Menge leicht um 0,4 Prozent auf 6.079 GWh, in Mazedonien sank sie aber um 1,4 Prozent auf 4.101 GWh. Bei Gas legte der Netzabsatz um 11,4 Prozent auf 16.276 GWh zu.
Der Energieverkauf an Endkunden wuchs bei Strom um 2,2 Prozent auf 15.444 GWh, bei Gas um 8,4 Prozent auf 6.254 GWh und bei Wärme um 12,0 Prozent auf 1.580 GWh.
Im Segment Energiehandel und -vertrieb, das sich vorwiegend auf den Heimmarkt in Österreich bezieht, sind für den Verkauf an Endkunden bei Strom 5.335 GWh (+7,0 Prozent) ausgewiesen, bei Gas 6.254 GWh (+8,4 Prozent) und für Wärme 1.343 GWh (+14,9 Prozent); das Umsatzwachstum dieses Segments lag mit 0,8 Prozent auf 982,0 Mio. Euro darunter (davon Außenumsatz +0,4 Prozent auf 945,3 Mio. Euro). Operativ (EBIT) verdiente man hier 62,3 Mio. Euro, um 19,2 Prozent mehr; die EBIT-Marge kletterte auf 6,3 (5,4) Prozent. Die EVN insgesamt steigerte die Neunmonats-Umsatzerlöse um 1,5 Prozent auf 2,183 Mrd. Euro.
Im Segment Südosteuropa (Bulgarien, Mazedonien), wo der Netzabsatz bei Strom um 0,3 Prozent auf 10.181 GWh zurückging, stieg der Umsatz um 1,0 Prozent auf 687,5 Mio. Euro. Das EBIT von 5,0 (1,3) Mio. Euro entsprach einer EBIT-Marge von 0,7 (0,2) Prozent. Das Minus im Finanzergebnis verringerte sich in dem Segment auf -14,3 (-21,6) Mio. Euro, das Ergebnis vor Ertragsteuern lag bei -9,3 (-20,3) Mio. Euro. Investiert wurden in Südosteuropa diesmal 77,4 (81,4) Mio. Euro.
Die Ergebnisbeiträge der at Equity einbezogenen assoziierten Unternehmen stiegen bei der EVN in den neun Monaten in Summe um 8,5 Prozent auf 41,0 Mio. Euro. Die höhere Dividendenausschüttung der Verbund AG führte zu einem Anstieg des Ergebnisses aus anderen Beteiligungen um 14,3 Prozent auf 53,8 Mio. Euro.
Wertminderung in Bulgarien
Hauptgrund für den Anstieg der Abschreibungen um 17,7 Prozent oder 25,8 Mio. auf 171,5 Mio. Euro war laut Neunmonatsbericht eine Wertminderung des bulgarischen Windparks Kavarna, die durch eine zeitliche Verzögerung des Projekts ausgelöst wurde.
Der EVN-Personalstand in Österreich sank im Berichtszeitraum leicht um 0,5 Prozent auf 2.550 Mitarbeiter, in Südosteuropa führten Effizienzsteigerungen zu einem Rückgang um 6,4 Prozent (oder um 410) auf 6.019 Personen. Insgesamt ging der durchschnittliche Mitarbeiterstand damit um 4,7 Prozent (oder 424) auf 8.569 zurück. Der Personalaufwand wuchs aber aufgrund von KV-Lohn- und -Gehaltssteigerungen um 3,1 Prozent auf 247,7 Mio. Euro.
Noch für heuer plant die EVN AG wie berichtet eine Kapitalerhöhung um bis zu 10 Prozent des Grundkapitals, wie sie von der HV am 21. Jänner genehmigt und vom Vorstand am 23. Juni bekanntgegeben worden ist. Dabei sollen rund 200 Mio. Euro hereinkommen, die Hälfte davon trägt das Land Niederösterreich. Mit der Prüfung der Durchführbarkeit der Kapitalmaßnahme wurden die Deutsche Bank, Raiffeisen Centrobank (RCB) und Société Générale beauftragt.
In Mazedonien sollen die Meinungsverschiedenheiten zwischen EVN und der dortigen Regierung wie berichtet in den kommenden Monaten durch bilaterale Verhandlungen, also außergerichtlich, beigelegt werden. Dadurch solle eine Win-win-Situation sowohl für die Regierung als auch für die Bürger und die EVN geschaffen sowie Vertrauen gestärkt werden, heißt es im Neunmonatsbericht. Die dazu schon laufenden internationalen Schiedsverfahren sollen - bei Bedarf auch mehrmals - um jeweils drei Monate verzögert werden. Für die EVN geht es dabei um den Schutz getätigter Investitionen.
Quelle: APA
