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Kampf um Nabucco spitzt sich zu

Essen, 03.09.2010

Es ist ein echter Krimi: Um die geplante Gas-Pipeline Nabucco tobt hinter den Kulissen ein harter diplomatischer und industriepolitischer Kampf. Kontrahenten sind die EU mit den Energieunternehmen wie OMV, RWE und MOL sowie Russland mit Gazprom. Es geht um Wettbewerb, Macht und vor allem um viel Geld.

Die Situation spitzt sich zu, denn noch in diesem Jahr soll die Entscheidung fallen, ob Nabucco tatsächlich gebaut wird. Die rund 3.300 Kilometer lange Leitung soll nach bisheriger Planung von 2014 an Gas aus dem kaspischen Raum quer durch die Türkei, Rumänien und Bulgarien nach Zentraleuropa transportieren. Brisant ist, dass Russland dabei komplett umgangen wird. So will die EU beim Gasbezug unabhängiger werden.

Russland aber fürchtet um sein bisheriges Pipeline-Monopol. Und so versucht der Staatskonzern Gazprom, mit allen Mitteln Nabucco zu verhindern und Unterstützer für die eigene Konkurrenz-Leitung South Stream zu finden. Die soll künftig Südeuropa versorgen und ist das Pendant zur Ostsee-Pipeline, die Gazprom unter anderem mit dem RWE-Konkurrenten E.ON baut.

Dass es Bedarf für eine weitere Leitung neben der Ostsee-Pipeline gibt, ist für den zuständigen RWE-Manager Stefan Judisch klar. Das aktuelle Überangebot an Gas werde schon bald zu Ende sein. Zudem werde Gas für die Stromproduktion immer wichtiger.

Noch keine fixen Zusagen von Förderländern

Voraussetzung für den Bau ist, dass feste Lieferzusagen der Gasländer rund um das Kaspische Meer vorliegen. Doch von denen wagt sich keiner aus der Deckung. RWE berichtet zwar regelmäßig von "konstruktiven Gesprächen", doch feste Zusagen gibt es nicht. Grund dafür ist, dass Russland seinen ganzen Einfluss auf Länder wie Turkmenistan und Aserbaidschan geltend macht. Die Rede ist von massivem Druck aus Moskau. Das will zwar keiner öffentlich sagen, hinter vorgehaltener Hand aber wird deutlich, dass es in den Länder Angst gibt, es sich mit Russland zu verscherzen.

Als entscheidend gilt der geplante Ausbau des Gasfeldes Schah Deniz im Kaspischen Meer: Dieses allein soll Nabucco zu einem Drittel füllen. Für die 25-Milliarden-Dollar-Investitionen (19,5 Mrd. Euro) braucht Aserbaidschan finanzkräftige Partner und feste Abnahmezusagen. Einer der Beteiligten ist bisher der britische Ölkonzern BP, der aber gilt wegen des Milliarden-Ölpest-Schadens im Golf von Mexiko als Wackelkandidat. Viele Beobachter vermuten nun, dass Russland mit ins Boot steigen und sich dafür einsetzen könnte, das möglichst viel aserbaidschanisches Gas nordwärts in russische Leitungen gepumpt wird.

Zwar ist in der Region eigentlich genug Gas vorhanden - und doch ist offen, wer die Pipeline füllen soll. Aus politischen Gründen keine Alternative ist der Iran, das haben die Nabucco-Gesellschafter klar gemacht. Probleme gibt es aber auch mit dem Irak. Zwar rühmt sich RWE bester Kontakte zur kurdischen Regionalregierung im Nordirak. Ende August vereinbarte der Konzern mit den Kurden eine enge Kooperation, um die Erschließung von Gasquellen vorzubereiten. Doch die Zentralregierung in Bagdad stellt sich quer.

Russland droht

Auch auf den geplanten Nabucco-Transitländern lastet immenser Druck. So soll Russland damit gedroht haben, seine Gaslieferungen an Bulgarien zu kappen, falls Nabucco kommt. Das Land ist vollständig von russischem Gas abhängig. Bulgarien hält sich alle Türen offen und macht auch beim Nabucco-Konkurrenzprojekt South-Stream mit.

Das Gazprom-Projekt soll Gas durch das Schwarze Meer von Russland bis nach Südeuropa befördern. Das Projekt soll allerdings mit 25 Mrd. Euro fast dreimal so teuer wie Nabucco sein.

Auch in Westeuropa treibt Russland Keile zwischen die Länder. So hat Gazprom neben der italienischen Eni inzwischen den französischen Atomkonzern Electricite de France (EdF) als Partner für South Stream gewonnen. Auch OMV, ein großer Versorger aus Österreich, eigentlich der Nabucco-Vorkämpfer, ließ sich von Gazprom anlocken. Um die Gunst von RWE buhlen die Russen ebenfalls.

Doch die Essener wollen Nabucco nicht aufgeben. Wichtigstes Unterpfand, mit dem der Konzern wuchert, ist die politische Unterstützung der EU. Energiekommissar Günther Oettinger setzt sich so stark für das Projekt ein, dass er inzwischen als "Mister Nabucco" gilt. Und die beteiligten Unternehmen machen deutlich, dass ein Aus für das Projekt ein verheerendes energiepolitisches Signal für die EU wäre. Entscheidende Hilfe könnte aus einer anderen Region kommen: Spekulationen zufolge ist das schwerreiche Emirat Abu Dhabi an einem Einstieg bei Nabucco interessiert.

Quelle: dpa

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