Putin gibt Nabucco "wenig Erfolgschancen"
Sotschi, 07.09.2010
Die Gaspipeline South Stream zur Versorgung Südeuropas wird genau so schnell wie ihr nördliches Pendant Nord Stream gebaut, versicherte der russische Ministerpräsident Wladimir Putin am 6. September bei einem Treffen mit Mitgliedern des internationalen Diskussionsclubs Waldai in seiner Residenz in Sotschi.
Gleichzeitig gab er dem Konkurrenzprojekt Nabucco unter Federführung der OMV kaum Chancen auf Realisierung, weil bisher keine Gaslieferungen für die geplante Pipeline sichergestellt werden könnten, berichtete die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti. "Nabucco hat wenig Erfolgschancen. Das Hauptproblem des Projekts besteht darin, dass bisher niemand die erforderlichen Gasmengen für die Pipeline garantiert hat. Es gibt also keine Gasquellen für diese Röhre - Russland wird nichts in die Nabucco-Leitung pumpen, Felder im Iran sind noch nicht erschlossen, Aserbaidschan fördert noch zu wenig Gas. Zudem wurde vor kurzem ein Vertrag unterzeichnet, nach dem Russland doppelte Gasmengen in Aserbaidschan beziehen wird", erläuterte Putin.
Zwar gebe es noch Erdgas in Turkmenistan. "Aber die Möglichkeiten der Lieferung (Anm. für Nabucco) sind noch nicht klar, weil die zentralasiatische Republik über eine vor kurzem gebaute Pipeline bis zu 30 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich nach China transportieren wird", so Putin. Vorhanden seien auch andere Probleme, die der Realisierung des Nabucco-Projekts im Wege stünden. Dazu zählte Putin unter anderem einen Territorialstreit zwischen Turkmenistan und Aserbaidschan, die sich nicht auf ihre nationalen Sektoren im Kaspischen Meer einigen können.
"Mit Gottes Hilfe"
"Unter diesen Bedingungen wäre es nach meiner Meinung problematisch, um nicht zu sagen unmöglich, ein (Pipeline-)System zu bauen. Das alles ergibt ein großes Fragezeichen (Anm. für Nabucco)", so Putin. Theoretisch wäre der Bau dieser Gasleitung möglich, falls sich ein Unternehmen findet, das ohne langfristige Lieferverträge Milliarden in das Projekt pumpen werde. "Möge es mit Gottes Hilfe geschehen", sagte der russische Regierungschef.
Nabucco soll eine Länge von rund 3.300 Kilometern haben und Gas aus dem kaspischen Raum nach Mitteleuropa bringen. Am Projekt sind neben der OMV, der deutsche Energiekonzern RWE, die ungarische MOL, die türkische Botas, die Bulgarian Energy Holding sowie die rumänische Transgaz zu gleichen Teilen beteiligt. Der Baubeginn soll plangemäß 2011 starten. Bisher wurde vom Nabucco-Konsortium mit Sitz in Wien die Inbetriebnahme für 2014 in Aussicht gestellt, nun soll die Pipeline ab 2015 "einsatzbereit" sein und mit einer jährlichen Transportkapazität von 18 Mrd. Kubikmeter Gas starten, die sukzessive auf 31 Mrd. Kubikmeter erhöht werden soll. Am gestrigen Montag wurden in einem Mandatsschreiben die Finanzierungsbedingungen für das Projekt seitens der Europäischen Finanzierungsinstitute festgelegt. Darin werden dem rund 8 Mrd. Euro teuren Projekt eine Finanzierung im Ausmaß bis zur Hälfte der Investitionskosten in Aussicht gestellt.
Als Alternative zu den fossilen Brennstoffen gebe es nur die Atomenergie, sagte Putin. Jede andere Taktik sei "Spielerei". Das System des Energieverbrauchs werde sich kaum ändern, trotz aller Bemühungen, alternative Energien zu entwickeln. "Irgendwelche Änderung wird es geben, aber geringe. Sie werden große Kraftwerke kaum auf Windenergie umstellen können. In den nächsten Jahrzehnten ist das unmöglich". Dabei wies Putin darauf hin, dass Deutschland sich für längere AKW-Laufzeiten entschieden habe, gerade weil es keine Alternative gebe.
Der Premier nannte als Konkurrenten für das russische Gas zum Beispiel das US-Schiefergas und das Gas aus Katar. Die Erschließung der Schiefergas-Felder sei aber vom ökologischen Gesichtspunkt aus betrachtet eine schwierige Aufgabe. Um mit dem katarischen Erdgas mithalten zu können, müssen die russischen Produzenten Putin zufolge einfach effektiver werden. (Schluss) lo/cs
Quelle: APA
