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E-Wirtschaft will Investitionspläne rasch umsetzen

Wien, 07.09.2010

Die heimischen Stromerzeuger hoffen, dass sie ihre geplanten Investitionen in neue Kraftwerke und Leitungsnetze rasch umsetzen können. Insgesamt hat die Branche derzeit konkrete Projekte mit einem Volumen von 3,6 Mrd. Euro in Arbeit, die bis 2015 oder kurz danach mit 3,5 Terawattstunden verwirklicht werden könnten. Bis 2020 plant die E-Wirtschaft Ausbauten von 7 TWh für 15 Mrd. Euro.

Für all dies erhofft sie sich rasche Genehmigungsverfahren, aber auch die Einführung eines "öffentlichen Interesses" für solche Vorhaben im Wasserrecht und auch in der nächsten Elwog-Novelle, die im Herbst in Begutachtung gehen soll. Laut Prognose der Austrian Energy Agency wird in Österreich bis 2050 zwar der Gesamtenergieverbrauch sinken, aber der Stromverbrauch sowohl anteilsmäßig als auch absolut wachsen.

Für den Zeitraum 2010 bis 2050 sehen drei Szenarien einen Anstieg des Stromverbrauchs um 15 bis 20 Prozent, besonders stark im Bereich Verkehr - Stichwort E-Mobilität -, aber auch in der Produktion vorher. Eher sinken dürfte der Bedarf im Dienstleistungsbereich, jedenfalls ein Rückgang erwartet wird für die Privathaushalte. Absolut dürfte der Verbrauch von 58,7 TWh 2008 bis 2050 auf 65,6 bis 68,2 TWh klettern.

Mit ihren Vorhaben sei die E-Wirtschaft "voll auf Kurs", dazu seien aber auch geeignete Rahmenbedingungen nötig, betonten am Dienstag der Präsident des Branchenverbandes Oesterreichs Energie, Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber, und die Verbands-Generalsekretärin Barbara Schmidt, in einem Pressegespräch. Nach einigen Erfolgen durch die letzte UVP-Novelle gehe es nun um das Wasserrechtsgesetz und das Elwog - aber auch faire Bedingungen im Vergleich etwa zu Deutschland. So behalte der Nachbar die Befreiung von Netzgebühren für Pumspeicher-Strom bei, die es in Österreich gibt, kritisierte Anzengruber. Dabei forciere Deutschland Allianzen mit Regionen mit Pumpspeichern - neben Skandinavien hätte hier Österreich Chancen.

Stichwort "Substitution"

Einen Einfluss auf die Strom-Großhandelspreise durch die jüngst ausgehandelte AKW-Laufzeiten-Verlängerung in Deutschland sieht Verbandspräsident Anzengruber nicht - zumindest keinen dämpfenden. Längere Laufzeiten seien grundsätzlich schon eingepreist gewesen, daher seien die Forwards nun auch bei 51 bis 52 Euro je MWh geblieben. Mittelfristig sei eher mit einem Anstieg zu rechnen, da die deutsche Strombranche Investitionen zur Substitution der Kernkraftwerke vornehmen müsse. Vor der Einigung auf den Zeitplan habe es beim Nachbarn ein "Vakuum für Investitionen" gegeben, zudem schöpfe der deutsche Staat die Cash-flows der Branche ab.

"Substitution" ist auch in Österreich künftig das Stichwort. Im Verkehrsbereich etwa stehen große Investitionen zur Verwirklichung der E-Mobilität an, und auch in anderen Verbraucher-Gruppen wird es zu Verschiebungen kommen: In Privathaushalten etwa wird der Anteil von Wärmepumpen und Solaranlagen zur Warmwasserbereitung weiter steigen, dafür der Anteil von Stromheizungen für Raumwärme abnehmen.

Für den Gesamtenergieverbrauch in Österreich gehen die drei von der Austrian Energy Agency errechneten Modelle bis 2050 jedenfalls von einem Rückgang aus, nach dem "Waiting"-Szenario um 3 Prozent, nach dem "Chasing"-Modell um 20 Prozent und nach dem "Steering"-Modell sogar um 26 Prozent. "Waiting" ist mit "Abwarten" zu umschreiben und orientiert sich bis 2020 an der heimischen Energiestrategie. Beim "Chasing" werden Verbrauchsrückgänge in Rechnung gestellt, die weniger durch eigene Planung als vielmehr durch exogene Schocks (Preisanstiege) herbeigeführt würden. Beim "Steering"-Szenario werden globale Herausforderungen erkannt und national sowie international Steuerungsmaßnahmen ergriffen, die stark steigenden Ölpreise ab 2030 werden antizipiert und Maßnahmen zum Umstieg in eine post-fossile Ökonomie getroffen.

Auch das eigene Image hat die E-Wirtschaft durchleuchten lassen. Laut der alljährlich durchgeführten Sommer-Umfrage durch Gallup ist der Anteil der Österreicher, die erklären, die Branche habe einen guten Ruf, binnen eines Jahres von 46 auf 52 Prozent gestiegen, so Schmidt. Handel und Telekomsektor bringen es demgegenüber nur auf 48 bzw. 43 Prozent, die Autoindustrie auf 41 Prozent und die Mineralölindustrie - wohl wegen des Öllecks im Golf von Mexiko - auf 17 Prozent. Der Anteil der Befragten, denen es wichtig ist, dass der in Österreich verbrauchte Strom zur Gänze hier produziert wird, stieg von 70 auf 77 Prozent. 64 Prozent seien dafür, dass der steigende Strombedarf durch mehr Erzeugung im Inland abgedeckt werden solle, wobei es eine deutliche Präferenz für Wasserkraft und Windkraft gebe.

Quelle: APA

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