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E-Control lobt heimische Stromkennzeichnung

Wien, 08.01.2008

In Deutschland mag es wohl zu einem Etikettenschwindel bei der Kennzeichnung von Ökostrom kommen, in Österreich dürfte dies dagegen nicht möglich sein. "In Österreich kann bei der Kennzeichnung von Ökostrom kein Schwindel passieren", sagte der Ökostromexperte der E-Control, Christian Schönbauer, im Gespräch mit der APA.

Das Stromkennzeichnungssystem in Österreich sei eines der besten in der EU, die Herkunftsnachweise würden gemäß einer EU-Richtlinie in einer zentralen Datenbank erfasst werden.

Wie berichtet ist in den letzten Tagen in Deutschland eine Diskussion über den sogenannten "Etikettenschwindel bei Ökostrom" geführt worden. Verbraucherzentralen und Umweltorganisationen haben die Praxis der deutschen Versorger kritisiert, Atom- oder Kohlestrom durch den Handel mit Umweltzertifikaten - sogenannten RECS - als Ökostrom zu verkaufen. RECS steht dabei für das "Renewable Energy Certificate Systems", das 2002 gegründet wurde.

Aufgrund dieser Herkunftsnachweise dokumentierten die Stromlieferanten, woher ihre Stromlieferungen kommen. "Dies wird in Österreich streng geprüft und nur entsprechend belegte Nachweise werden für die Stromkennzeichnung anerkannt", so der Ökostromexperte der E-Control, die in Österreich als Behörde für die Überwachung der Umsetzung der Liberalisierung des Strom- und Gasmarktes zuständig ist und auch regulierend eingreifen kann.

Bei der Stromkennzeichnung in Österreich sei es unerheblich, ob der Strom aus einem anderen EU-Land oder einem EWR-Land wie Norwegen oder der Schweiz komme, die Kennzeichnungen müssten aber der EU-Richtlinie entsprechen, sonst würden sie in Österreich nicht berücksichtigt werden, meinte Schönbauer weiter.

Kein europaweit einheitliches System

Mangelhaft sei das System derzeit aber insoferne noch, als europaweit kein einheitliches System des Nachweises stattfinde. Ein Drittel der EU-Länder hätten die Stromkennzeichnung noch nicht umgesetzt, sie werde also auf den Rechnungen der Kunden nicht ausgewiesen. "Wenn alle Länder auf Zertifikatebasis diesen Nachweis erfüllen würden, stünde nur soviel Ökostrom zur Verfügung, wie auch produziert wird", so Schönbauer.

Aufgrund der derzeitigen Lücken im System könne es europaweit zu Doppeletikettierungen kommen, bestätigte auch ein Sprecher des Verbund, der selbst Gründungsmitglied von RECS ist. In Österreich und beim Verbund gebe es allerdings eine sehr hohe Identität zwischen dem physikalischem Stromhandel und dem Handel mit den Herkunftsnachweisen.

Um Doppeletikettierungen zu verhindern, wäre ein EU-weit einheitliches Register notwendig. Das werde zwar derzeit diskutiert, sei aber noch nicht umgesetzt. Damit würde es leichter sein, den physikalischen Strom getrennt vom virtuellen Strom zu handeln. "Wir würden eine rasche EU-weite Harmonisierung des Zertifikatehandels sehr positiv sehen", meinte auch ein Sprecher der EVN.

"Keine Diskriminierung"

In Österreich werde ein Ökostromzertifikat jedenfalls nur einmal für die Stromkennzeichnung eingesetzt und akzeptiert, führte Schönbauer aus. Österreich sei aber verpflichtet, Herkunftsnachweise für Strom aus anderen EU-Ländern und dem EWR-Raum genau so anzuerkennen, wie aus Österreich. "Wir können keine Diskriminierung machen, nur, wenn sie doppelt eingesetzt würden, könnten sie in Österreich nicht mehr eingesetzt werden", so Schönbauer.

Der Stromkunde könne sich seinen Lieferanten zwar aussuchen, er bekomme mit seinem Liefervertrag aber immer den Strom vom nächstgelegenen Kraftwerk. Mit der Stromrechnung werde allerdings der Lieferant bezahlt, der nachweisen müsse, dass er auch den vom Kunden gewünschten Strom liefert. Laut Schönbauer beträgt in Österreich der Anteil von Ökostrom rund 60 Prozent an der gesamten Stromerzeugung.

Quelle: APA

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