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Energie-Know-How für Europa

Datum: 14.06.2007

Jetzt ist Schluss: Bis zum 1. Juli dieses Jahres müssen alle EU-Mitgliedsstaaten ihre Strom- und Gasmärkte vollständig liberalisiert haben. Jeder Anbieter soll ab diesem Datum in der EU Strom und Gas verkaufen dürfen, wo er will. Und jedem Kunde steht es frei, seinen Versorger zu wählen. Die Absicht: Der Wettbewerb soll Energiepreise schlanker machen und einen europäischen Energiemarkt
schaffen, in dem von Portsmouth bis Palermo und von Lissabon bis Leipzig Strom durchgeleitet
werden kann.
So sah es zumindest die EU-Kommission 1997. Die Übergangsfristen laufen mit Ende
Juni ab.
Österreich zeigte bei der Energieliberalisierung besonderen Ehrgeiz. Unsere Alpenrepublik begann als eine der ersten Nationen (nach Großbritannien und Skandinavien), ab 1997 den Strommarkt und ab 2002 den Gasmarkt für den freien Markt zu öffnen. Andere Mitgliedsländer sind weniger weit : Vor allem die neuen Beitrittsstaaten stehen erst am Anfang der Liberalisierungsbemühungen.

Know-How-Export
Die einst von allen Marktteilnehmern wenig goutierte Vorreiterrolle-Rolle bringt heimischen Unternehmen heute, zehn Jahre nach Inkrafttreten der Richtlinien, einen Wettbewerbsvorteil. Das Liberalisierungsmodell Österreichs gilt europaweit als beispielhaft. „Wir sehen mit unserem Know-How große Chancen, beim Aufbau der offenen Energiemärkte im Osten Geschäfte machen zu können“, ist Jürgen Wahl optimistisch. Er ist Vorstand der heimischen Strombörse EXAA, einem Mitgliedsunternehmen der CISMOgroup, eines Zusammenschlusses von sieben Unternehmen,
die am liberalisierten Energie- und Umweltmarkt tätig sind. „Die neuen Mitgliedsländer stehen erst am Anfang einer schwierigen Neuorientierung ihrer Energiemärkte. Dabei entsteht ein großer Beratungs- und IT-Bedarf, der gedeckt werden muss“, wittert Robert Hager, Geschäftsführer der CISMO GmbH, ein großes Geschäftsfeld. Finanzierungsprobleme seien dabei das geringere
Problem: „Im Rahmen der EU-Programme gibt es Fördermittel, die mobilisiert werden müssen.“ Das Problem ist eher ein politisches: Viele Regierungen im Osten subventionieren die Energiepreise direkt oder indirekt. Eine Liberalisierung wird diese Förderungen unmöglich machen, was politisch schwer durchzustehen ist. „Allerdings“, so ist sich Wahl sicher, „wird die europäische Integration die Modernisierung der Energiewirtschaft mit sich bringen.“
Anfänge im neuen Ostgeschäft sind schon gemacht. So unterschrieb Hansjörg Tengg, Geschäftsführer
und Gesellschafter der auf Clearing- Software spezialisierten SMART technologies und Shareholder der CISMOgroup, Anfang des Jahres einen Vertrag in Sofia über den Aufbau eines Bilanzgruppensystems in Bulgarien. „Jedes einzelne Mitglied unserer Arbeitsgruppe deckt mit seinem Software- und Organisations-Know-How einen Teilbereich einer liberalisierten Energiebewirtschaftung ab“, rührt Hager die Trommel.

Komplexes Feld
Bei den Dienstleistungen der „Ausgleichsbewirtschaftung“ geht es in erster Linie um spezialisierte Software und Erfahrungsaustausch. Wie Banken ein durchgängiges System für den Zahlungsverkehr brauchen, so benötigt die Energiewirtschaft ein System an Leitungen und Finanzverbindungen, das grenzüberschreitend funktioniert. Dazu müssen im Netzsystem Schnittstellen geschaffen werden,
die eine technische Kooperation auch über Grenzen hinweg ermöglichen. Gleichzeitig braucht der liberalisierte Heimmarkt sogenannte Bilanzgruppen, die national nach geografischen Vorgaben geschaffen werden. Innerhalb dieser Bilanzgruppen wird durch komplizierte Software der Ausgleich an Bedarf und Produktion geschaffen. Dazu werden im Vorfeld genaue Bedarfsprognosen erstellt,
die über IT-gestützte Ausgleichssysteme dem tatsächlichen Verbrauch angepasst werden. Der Aufbau dieser Systeme, die von wenigen Mitarbeitern, aber komplexen Software-Lösungen gefahren werden, sind die Voraussetzung für das Funktionieren des liberalisierten Energiemarktes. Jürgen Wahl: „Wir sind Wegbereiter der offenen Märkte im Osten. Da gibt es viel zu tun.“

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