Preiszonentrennung

Was ändert sich im Strom Day Ahead Markt Deutschland(D)/ Österreich(A) ab 1. Oktober 2018?

Mit 1. Oktober 2018 tritt eine Engpassbewirtschaftung zwischen Österreich und Deutschland in Kraft. Aktuell geplant sind (Minimum) 4.900 MW Engpasskapazität. Damit wird die bis dahin gemeinsame Preiszone D/A in zwei Preiszonen D und A geteilt.

Welche Day Ahead Auktionen für D und A gibt (gab) es vor 1. Oktober 2018?

Es sind zwei:

  • Die 10:15 Auktion für die gemeinsame Preiszone D/A
  • Die 12:00 Auktion für die gemeinsame Preiszone D/A

……und damit im Allgemeinen zwei unterschiedliche Clearingpreise je Produkt (Stunde, Block) und Liefertag.

Um 10:15 auktioniert EXAA (ohne Beteiligung anderer Börsen) ein gemeinsames Orderbuch D/A aus Geboten, unabhängig davon ob diese für Fahrplananmeldung in der österreichischen oder einer deutschen Regelzone gelten. Da es ein gemeinsames Orderbuch ist, ergibt sich für D und A der gleiche (10:15) Preis.

Um 12:00 werden im Rahmen des europäischen Marketcouplings die Orderbücher für D und A (und allen verbundenen Börsen/Ländern/Preiszonen) implizit mit den entsprechenden Grenzkapazitäten auktioniert. Da die Grenzkapazitäten D/A unbeschränkt sind ergibt sich für D und A der gleiche (12:00) Preis

Welche Day Ahead Auktionen für D und A gibt es ab 1. Oktober?

Es sind nach wie vor 2 Auktionen aber mit 4 Preisen – eine 10:15 Auktion mit den Orderbüchern Österreich und Deutschland und eine 12:00 Market Coupling Auktion mit den Orderbüchern Österreich und Deutschland - mit im Allgemeinen vier unterschiedlichen Clearingpreise je Produkt und Liefertag.

Um 10:15 auktioniert EXAA getrennt je ein Orderbuch für D und eines für A. Darin ergeben sich ein (10:15) Preis für A und ein im Allgemeinen unterschiedlicher (10:15) Preis für D.

Um 12:00 werden im Rahmen des europäischen Marketcouplings die Orderbücher für D und A (und allen verbundenen Börsen/Ländern/Preiszonen) implizit mit den entsprechenden Grenzkapazitäten auktioniert. Die Grenzkapazitäten D/A gehen dabei genauso wie alle anderen Grenzkapazitäten zwischen den verschiedenen europäischen Preiszonen ein und es ergeben sich ein (12:00) Preis für A und in Abhängigkeit der Ausnutzung der verfügbaren Übertragungskapazitäten gegebenenfalls ein  unterschiedlicher (12:00) Preis für D.

Welche Auktionen können bei EXAA gehandelt werden?

  • Die 10:15 Auktion mit den Orderbüchern Österreich und Deutschland
  • Die 12:00 Market Coupling Auktion mit den Orderbüchern Österreich und Deutschland (so bald Multi Nemo Kooperation möglich)

Entstehen für die EXAA Mitgliedschaft daraus zusätzliche Kosten?

Nein.

Mit der EXAA Mitgliedschaftsgebühr (10.000 EUR p.a.) sind alle  Auktionen und Preiszonen abgedeckt. Sowohl für die 10:15 Auktion als auch für die 12:00 Auktion sind je ein Handelskonto für D und A inkludiert.

 Die für Spread-Gebote notwendigen zwei Spread-Accounts (nur bei 10:15 Auktion der EXAA) sind ebenso inkludiert.

Was ist mit den Viertelstundenprodukten?

Diese bleiben auch nach Preiszonentrennung in der 10:15 Auktion handelbar. Es werden sich nur ab 1. Okt. 2018 im Allgemeinen unterschiedliche Clearingpreise für D und A ergeben.

In der 12:00 Auktion stehen Viertelstundenprodukte nicht zur Verfügung.

Kann die Kapazität D - A gehandelt werden?

Longterm (für Jahre und Monate) werden via JAO (Joint Allocation Office) http://www.jao.eu FTRs (financial transmission rights) versteigert. Ergeben sich in der 12:00 Marketcoupling Auktion in den Preiszonen unterschiedliche Clearingpreise, wird die Preisdifferenz an die Halter der FTRs ausgezahlt.

Day Ahead Kapazitäten werden nicht versteigert.

Spread Gebote in der 10:15 Auktion (mehr dazu weiter unten) können defacto wie Day Ahead Kapazitäten genutzt werden.

Gibt es noch X- Border Fahrplananmeldungen?

Nein, es können von Marktteilnehmern/Bilanzgruppenverantwortlichen nach der Preiszonentrennung keine externen Fahrpläne mehr nominiert werden. 100% der verfügbaren Kapazität – also 4.900 MW plus eventuell aus der täglichen Berechnung sich ergebende Mehrkapazität – gehen zur impliziten Auktionierung in die um 12:00 Market Coupling Auktion.

Was ist für EXAA Mitglieder bis zum 1. Oktober 2018 zu tun?

  1. NICHTS, wenn man Handelskonten für A hat und diese weiternutzen will
  2. NICHTS, wenn man Handelskonten für D hat und diese weiternutzen will

Grundsätzlich gilt: Wollen Sie in Österreich und Deutschland handeln, benötigen Sie auch jeweils einen Trade Account in A und D

Wollen Sie die neuen Spread- Gebote bei der 10:15 Auktion nutzen, benötigen Sie auch  Spread Accounts.

Wann sind die Clearingpreise in der 12:00 Auktion unterschiedlich?

Ist der resultierende Austausch von Angebot und Nachfrage zwischen den Preiszonen (z.B. D und A) in der 12.00 Auktion kleiner als die Day Ahead Kapazität, so konvergieren die Clearingpreise, d.h. sie sind in beiden Preiszonen für die jeweilige Lieferstunde gleich. Reicht die Kapazität nicht aus, wird der Preis in der netto beziehenden Preiszone höher als in der netto liefernden Preiszone sein (und umgekehrt).

Geht die Day Ahead Kapazität auch in die 10:15 Auktion?

Nein, die Orderbücher der 10:15 Auktion werden separat für die Preiszonen D und A auktioniert und werden im Allgemeinen unterschiedliche Clearingpreise ergeben- auch wenn in der 12:00 Auktion die Clearingpreise für D und A gleich sein sollten.

Neu: Spread- Gebote in der 10:15 Auktion

Was ist der Spread?

Ganz allgemein wird darunter eine Preisdifferenz verstanden. Im speziellen Fall betrachten wir einen „location spread“, konkret die Differenz der Preise eines Stromproduktes in den beiden Day Ahead Auktionen um 10:15 zwischen den Marktgebieten Österreich und Deutschland. Wobei das Vorzeichen beliebig gewählt (definiert) wurde durch Subtraktion des deutschen vom österreichischen Preis.

Spread = Preis (A) – Preis (D)

Anm: Die Annahmen von Marktanalysten gehen von einem durchschnittlich höheren Preis in Österreich als in Deutschland aus, womit sich der Spread mehrheitlich positiv ergeben wird, negative Spreads sind aber absolut möglich.

Warum gibt (gab) es diesen Spread vor 1. Okt. 2018 nicht?

Bis zum 1. Okt. 2018 gibt bzw. gab es für Marktteilnehmer keinen Engpass für grenzüberschreitende Stromlieferungen zwischen österreichischen und deutschen Regelzonen. X- Border Fahrplananmeldungen sind bzw. waren praktisch unbegrenzt möglich. Uneingeschränkter Austausch zwischen Angebot und Nachfrage am Markt ergab eine (in diesem Fall gemeinsame) Preiszone A/D.

Was ist ein Spread - Gebot?

Zusätzlich zu den „normalen“ preisabhängigen Geboten wie z.B. für limitierten Kauf:

„Wenn Preis in A höchstens 30 EUR ist, kaufe 10 MW base in A“

gibt es ab 1.Okt.2018 neu auch spread-abhängige Gebote wie z.B.:

Bis zu einem Spread - Preis(A)-Preis(D) – von höchstens 1,- Euro, kaufe 10 MW base in A und verkaufe gleichzeitig 10 MW in D.“ Oder:

„Ab einem Spread - Preis(A)-Preis(D) – von mindestens 3,- Euro, verkaufe 10 MW base in A und kaufe gleichzeitig 10 MW in D.“

Wie wird ein Spread- Gebot ausgeführt?

Ist die Gebotsbedingung (Spread-Limit) erfüllt, so hat dies die physische Ausführung einer jeweils spiegelgleichen Kaufmenge in einer Preiszone und Verkaufsmenge in der anderen Preiszone zur Folge. Dabei wird bei der Ausführungszuteilung sichergestellt, dass die Beträge der Kauf und Verkaufsmengen in jedem Fall gleich groß sind. Sollte z.B. auf einer Seite nur eine Teilmenge umsetzbar sein (etwa nur 80 statt 100 MW), dann würde auch die Gegenseite auf 80 MW reduziert werden.

Wie gehen Spread- Gebote in die Preisbildung ein?

Die 10:15 Auktionen für die Preiszonen D und A werden nicht gänzlich getrennt, sondern in einem gemeinsamen Algorithmus berechnet. Bei der Ermittlung der Clearingpreise und der Zuteilungsmengen sind neben den bisherigen Preislimiten zusätzlich auch Spreadlimite mitberücksichtigte Zuschlagskriterien.

Für welche Produkte sind Spread– Gebote möglich?

Für Base und Peak

Warum koppeln Spread-Gebote „virtuell“ die Preise der Zonen A/D in der 10:15 Auktion

Entsprechend der Vorzeichenkonvention Spread = Preis A – Preis D

„heben“ zusätzlich Spread- Käufe den Preis A und „senken“ den Preis D  bzw..

„senken“ zusätzliche Spread- Verkäufe den Preis A und „heben“ den Preis D.

Mittles der Markterwartung zur Preisdifferenz A-D mit welcher Händler Spread-Gebote abgeben, haben diese die Wirkung einer indirekten, sozusagen virtuellen Marktkopplung.

Was braucht man um auf den Spread bieten zu können?

  • Bilanzkreisvertrag in D (wahlweise 50Hertz, AMPRION, TenneT, TransnetBW)
  • Bilanzgruppenvertrag in A (mit APCS für APG)
  • Ein 10:15 Spread Account in D (Kosten in Mitgliedschaft inkludiert)
  • Ein 10:15 Spread Account in A (Kosten in Mitgliedschaft inkludiert)

Was sind die Transaktionskosten (EUR/MWh) für Spread- Gebote?

0,0375 EUR/MWh (pro leg)….das ist die Hälfte der fee für normale Gebote (0,075 EUR/MWh)

D.h. in Summe wird für die Ausführung eines Spread-Gebotes 0,075 EUR/MWh berechnet womit Kauf in einer Preiszone und Verkauf in der anderen abgedeckt sind.

Für Liquidity Providern Mengen (ab täglich 480 MWh) ist eine Reduzierung um weitere 25%, also auf de facto 0,028125 EUR/MWh möglich.

Was sind typische Anwendungen für Spread-Orders?

  • Physische Position zwischen D und A um 10:15 in einem Schritt verschieben
    • Ausgangsposition ist z.B.: Long in D, short in A
      • Kaufe Spread unlimitiert (Market Order)…damit Verkauf in D und Kauf in A
      • Praktisch nur 1 x Transaktionsgebühr bezahlen
         
  • Physische Position zwischen D und A optimiert verschieben um 10:15 oder 12:00
    • z.B.: Long in D, short in A
      • Annahme: Preis D um 12:00 = Preis A um 12:00
      • Kaufe Spread (10:15) bis minus 0,2 EUR (minimale Optimierungserwartung)
        • D.h. Kauf in A und Verkauf in D, wenn A um mind. 20ct billiger als D
      • …sonst 2 getrennte Trades um 12:00:  Kauf in A und Verkauf in D
         
  • Spekulativer Trade auf Spreaderwartung um 12:00
    • Keine phys. Ausgangsposition
      • Annahme: Preis D um 12:00 = Preis A um 12:00
      • Kaufe Spread (10:15) bis minus 0,5 EUR (minimale Gewinnerwartung)
      • Verkaufe Spread (10:15) ab plus 0,5 EUR (minimale Gewinnerwartung)
      • Ist dann der Spread (10:15) größer als 0,5 Euro oder kleiner als minus 0,5 EUR…
        • ..wird der Spread entsprechend der Gebotsabgabe ausgeführt und es kommt zur physischen Lieferung in der jeweiligen Gebotszone.
      • Schließen der Position, z.B. in Form von jeweiligem Rückkauf/Rückverkauf um 12:00 mittels Marketorder
        • Wenn Annahme um 12:00 Preis D um 12:00 = Preis A eintrifft…
      • Gewinn von mindestens 0,5 EUR/MWh

Welchen Nutzen bringen Spread Order?

Durch die Abgabe von Spread-Geboten wird in der 10:15 Auktion eine Preisabhängigkeit („virtuelle Kopplung“) zwischen den beiden Orderbüchern für die Preiszonen Österreich und Deutschland erreicht und damit

  • Händlern eine neue Arbitragemöglichkeit geboten,
  • Cross-Border Optimierung mit physischer Erfüllung in den jeweiligen Regelzonen ermöglicht,
  • die 10:15 Marktpreise A/D näher zusammengeführt was für zusätzliche Preisstabilität sorgt,
  • mittelbar der gemeinsame Liquiditätspool erhalten.